Emotionale Hindernisse im High Speed Business-Alltag

von Andreas von Oertzen

Die Unterscheidung
Emotionales wird im Business-Alltag üblicherweise als Hindernis wahrgenommen. Manager schätzen die sachliche Ebene. Warum?

Mit der Ratio kann man gut zusammenarbeiten. Sie ist in der Lage, sehr schnell zu verstehen und Zustimmung zu signalisieren. Reine Sachthemen, so erscheint es, können im Denken hin und her bewegt werden, ohne dass emotionale Begleiterscheinungen auftreten, welche das Befinden und damit die Performance beeinträchtigen.

Zu diesen Begleiterscheinungen gehören Irritationen, Ärger, Frustration, Widerstand, Enttäuschung bis hin zur Paralyse, Blockade oder inneren Kündigung.

Wenn solche Begleiterscheinungen in jemandem auftreten, fällt ihm das sachlich-bleiben in der Regel schwer. „Bleiben wir doch sachlich!“ ist dann als Aufruf selten wirksam.

Manager sind zurecht an Performance und Geschwindigkeit interessiert. Sie wissen, dass querliegende Emotionen in Projekten die höchste Bremswirkung entfalten können. Das gilt umso mehr, wenn sie unbemerkt sind. Denn Manager wissen: Schweigen bedeutet noch lange nicht Zustimmung.

Dennoch lässt sich im Kontext großer Veränderungsprozesse noch immer beobachten, dass vielen Führungskräften die allgemeingültigen emotionalen Verlaufsgesetze in Veränderungsprozessen fremd sind. Sie finden bei der Planung von Veränderungsprojekten kaum Berücksichtigung.

Die Konsequenzen eines solchen Versäumnisses werden erst mit einer zeitlichen Verzögerung sichtbar. Daher kann dies im Projekt zu einem hohen Zeitverlust bis hin zu dessen Scheitern führen.

Ganz im Gegensatz dazu geht von Mitarbeitern, die emotional erreicht und mitgenommen worden sind, eine deutlich größere Unterstützung für das Vorhaben aus, als wenn sie nur pflichtbewusst mit dem Kopf genickt haben.

Die Integration
Die emotionale Ebene im Menschen benötigt zum Einverstanden-Sein oft einen Moment der Extra-Zuwendung. Manager, welche die enorme Bremswirkung eines aktiv oder passiv opponierenden Teams schon einmal erlebt haben, nehmen diese zeitliche Investition bereitwillig in Kauf.

Moderatoren hören während ihrer Ausbildung nicht ohne Grund immer wieder den Lehrsatz: „Störungen haben Vorrang!“.

Mancher würde den Menschen in unserer zunehmend technisierten Arbeitswelt gerne wie eine fehlerfreie Software einplanen und ebenso arbeiten sehen.

Dass dies so nicht funktioniert, mussten viele große Unternehmen schmerzhaft erfahren. Das „Mobilisieren und Sicherstellen von Commitment“ gilt als Top-Erfolgsfaktor für erfolgreiche Transformationen. Zu diesem Ergebnis kommt eine sehr umfangreiche Change-Studie von Cap Gemini bei Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen.

Damit ich mein Team in einem Vorhaben mitnehmen kann, sollte ich in Erfahrung gebracht haben, welche Haltung die Teammitglieder zu diesem Projekt einnehmen. Indem ich beispielsweise einige Fragen stelle, die über das rein sachliche und technische des Veränderungsprozesses hinausgehen.

Für die Führungskraft ist es somit von großem Vorteil, sachliche und emotionale Hindernisse wahrnehmen und bearbeiten zu können. Zu den Hilfsmitteln, die sich als zielführend bewährt haben, gehören…

… das Verinnerlichen allgemeingültiger Gesetzmäßigkeiten im Change,

… das sehr wirksame Instrument der ehrlichen Selbstreflexion,

… Peer-to-Peer-Austausch und kollegiale Beratung.

Fast überall stellen Betroffene fest, dass jeder Kollege und jede Kollegin einen reichen Fundus an hilfreichen Erfahrungen mitbringt, während sich viele der erlebten Herausforderungen als sehr ähnlich zueinander erweisen.


Fazit

Nur wenn eine gefühlte Stabilität vorrübergehend von einer Unsicherheit erschüttert wird, ist wirkliche Veränderung wahrscheinlich. Dadurch kommt die emotionale Ebene ins Spiel.

Die Auseinandersetzung mit Emotionalem kann in bedeutsamen Veränderungsprojekten zunächst wie ein lästiger Zusatzaufwand erscheinen. Im Laufe des Projektes wird es sich jedoch als wertvolle Investition erweisen. Das in-Erfahrung-bringen von Befindlichkeiten durch empathisches Zuhören ist in frühen Projektphasen weitaus wichtiger als das Darstellen von rosigen Zukunftsaussichten.

Wie erfolgreiche Veränderungsprozesse belegen, ist all dies keine „Rocket Science“ und zudem in einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand und Zeitrahmen zu meistern.


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