Executives und Führungskräfte im eigenen Scheinwerferlicht

Strahlende Führungskräfte im Dienste des eigenen Ego richten mitunter viel Schaden an. Am Ende scheitern sie meistens – an der Widerstandskraft der Organisation und deren Kultur.

Manch neu inthronisierte Führungskraft beginnt ihre Tätigkeit mit sensationellen Ankündigungen. In hohem Tempo trifft sie machtvoll Entscheidungen und stellt Weichen neu. Dies ruft große Begeisterung auf der einen Seite und große Widerstände auf der anderen Seite hervor. Im Kern geht es dabei oft gar nicht um die Entscheidungen und Weichenstellungen selbst. Sondern es geht um das Temperament und den Charakter der Führungskraft.

Es kann gefährlich werden, dies zu lange zu übersehen. Wenn das Problem in der Persönlichkeitsstruktur der Führungskraft zu suchen ist, wird es durch Prozessveränderungen allein nicht besser werden. Es kann im Gegenteil solange schlimmer werden, bis das Ganze in einem großen Fehlschlag endet – im Weggang wichtiger Schlüsselmitarbeiter, dem Beziehungsabbruch wichtiger Partner, dramatischen Umsatzentwicklungen oder vergleichbarem.

Was sollte das Führungsteam also tun?

Möglicherweise ist eine Zeit der Prüfung der Stabilität des Systems gekommen. Ein Laissez-faire, wenn es zulange dauert, weil sich niemand traut, Widerspruch zu erheben, kann bedeuten, dass sich das Unternehmen nicht mehr erholt. Eine Antwort lautet also: Wachsamkeit.

Oft entstehen parallel neue Denkströmungen, neue Allianzen und neue Themen. Möglicherweise können nur wenige Mitarbeiter den Missbrauch von Macht bekämpfen, ohne Angst haben zu müssen. Wenn es keine Unterstützung mehr zu geben scheint, wird die gemeinsame Besinnung auf die Werte des Unternehmens umso wichtiger. Gefährlich, wenn es keine solchen besitzt.

Werte wie Wahrheit, Gemeinsamkeit, Pflichtgefühl, Respekt, Offenheit sind es, die ein von sich stark eingenommener Manager möglicherweise vermissen lässt. Es geht hier also einmal nicht um Prozesse, so wie meistens, sondern um Werte.

Am Ende wird eine Führungskraft, die den eigenen Glanz über das Interesse der Organisation stellt, oder die sich der Organisationskultur zuwider verhält, scheitern. So gut deren Taktik auch sein mag. Denn mit jeder Maßnahme schafft sie sich neue Gegner und stärkt deren Verbundenheit untereinander. Früher oder später wird auch der Letzte sagen „Stopp!“

Was sagte Eliot A. Cohen,  Counselor von Außenministerin Condoleezza Rice, zur Situation mit dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald J. Trump: “Es ist nichts Großes an dem Amerika, das Donald Trump zu schaffen glaubt. Aber am Ende wird es die Größe Amerikas sein, die ihn aufhalten wird.“

Andreas von Oertzen

Ausrichtung: Meine Arbeit beginnt dort, wo strukturelle Lösungen alleine nicht mehr greifen. Statt an Symptomen arbeite ich an den im System wirksamen Ursachen. Das erfordert die Bereitschaft, auch das anzuschauen, was sonst vermieden wird. Ich arbeite ohne Dramatisierung, aber mit der notwendigen Klarheit, um auch Schwieriges ansprechbar zu machen.

Hintergrund: 20 Jahre Managementerfahrung in Konzernen und KMU (Siemens, Bertelsmann Music Group, Varta, Wolters Kluwer, Wissenschaftsumfeld, e-Learning) sowie 15 Jahre Beratungspraxis. Systemischer Organisationsberater (Prof. Fritz Simon), Diplom-Ingenieur Informationstechnik (Univ.), Industriekaufmann (Siemens AG), Zertifizierter Coach (Univ.).

Feldkompetenzen: Wissenschaftsmanagement, Verkehr & Logistik, Entertainmentindustrie, Behörden, Ingenieursbüros, Agenturen. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Wissenschafts- und Forschungsumfeld, in dem komplexe Strukturen, hohe Autonomie und unterschiedliche Logiken aufeinandertreffen.

Künstliche Intelligenz: Seit meiner Diplomarbeit über neuronale Netze (1991) kenne ich den Kern und verfolge die Entwicklung von KI. Ich biete keine technische Umsetzung, sondern eine fundierte Einordnung der Synergie zwischen Mensch und Technik für die Organisation.

Wann ich nicht der Richtige bin: Wenn es primär um Effizienzsteigerung, Kennzahlenoptimierung oder technische Lösungen geht. Meine Arbeit beginnt dort, wo strukturelle Maßnahmen allein nicht mehr greifen.

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